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Das frühe Mittelalter

 

450  nach Christus
Unter Kaiser Valentinian III. (425 - 455) gelang es dem römischen Feldherrn Aëtius nochmals, die Rheingrenze zu festigen; mit Hilfe der Burgunder, denen er die Landschaft Sapaudia (Savoyen) geöffnet hatte, zwang er in der blutigen Schlacht auf den Katalaunischen Feldern den Hunnenkönig Attila zur Umkehr in den Osten. Als aber Aëtius drei Jahre später feige ermordet wurde, war das Schicksal des Römertums zwischen Alpen und Rhein besiegelt. Erst langsam, dann in immer grösseren Scharen kamen die Alemannen über den Strom, um sich nach 450 in einem zerrütteten und von den früheren Bewohnern vielerorts verlassenen Landstriche anzusiedeln.

Zürich war im Jahre 496 nach Christus alemannisch
Es lassen sich im Norden unseres Landes drei Räume unterscheiden, die in den ersten hundert Jahren nach dem Zusammenbruch des weströmischen Reiches von den Alemannen aufgesucht wurden. Eine starke Wanderbewegung führte, vermutlich in mehreren Wellen, von der Aaremündung aufwärts in die Niederungen, wo Limmat und Reuss nach Norden flossen; sie drang auch in die Seitentäler ein, wie die Ortsnamen Nieder- und Oberweningen sowie Otelfingen im Furttale zeigen. Nach dem mit Namen nicht bekannten Geographen von Ravenna war Zürich im Jahre 496 nach Christus alemannisch, was sowohl durch die Lautverschiebung Turicum-Zürich als auch durch die Dörfer Wipkingen, Hottingen und Schwamendingen bezeugt wird. Es sind die Ortsnamen auf -ingen, die uns sagen, wie weit diese erste alemannische Besiedlung bis ins spätere 6. Jahrhundert gereicht hat. Bei einem Namen wie Wipkingen handelt es sich noch nicht um einen eigentlichen Ortsnamen, sondern um eine "Insassenbezeichnung": Die Wibichinga waren die Leute, die Sippe, die Gefolgschaft eines Oberhauptes Wibicho, die sich an einer bestimmten Stelle unserer Heimat niedergelassen hatte. Es zeigt sich auch, dass die Alemannen von Zürich aus vorerst nicht den Seeufern entlang weiterzogen - wo Namen auf -ingen fehlen - sondern über die Höhen von Zumikon, das einst Zumingen hiess, in den Raum Ebmatingen und Esslingen vorstiessen.

Besiedlung
Eine zweite Zone alemannischer Landnahme erkennt man im Zürcher Weinland und im unteren Thurtal, wo es stellenweise von Ortsnamen auf -ingen beinahe wimmelt. Die Landschaft, die vom einstigen Römerkastell bei Burg-Eschenz am Westende des Untersees bis zum heutigen Eglisau von Süden her an den Rhein stösst, muss zur Besiedlung geradezu gelockt haben. Ein dritter Einbruch aber geschah bei Konstanz: Da Bodensee und Untersee ein starkes Hindernis bildeten, konnten die Alemannen nur südlich der kurzen Rheinstrecke einen Brückenkopf bilden, wie die Ortsnamen Triboltingen, Ermatingen, Scherzingen und Güttingen bezeugen.

Wir wissen nun nicht, aus welchen geschichtlichen Gründen das Glattal von Seglingen bis hinauf nach Schwamendingen keine dieser ältesten alemannischen Namen aufweist, wohl aber - wie wir bei Kloten sahen - keltische und keltorömische. Zu den letzteren müssen wir Weiach, Neerach, Windlach, Bülach udn Embrach zählen; es handelt sich hier nach allgemeiner Auffassung um römische Landgüter, deren Name mit jenem des Besitzers und einer aus dem Keltischen auch ins Lateinische gedrungenen Endung -acus gebildet wurde: Der fundus Pulliacus war das Landgut eines Pullus oder Pullius, was bei der Übernahme durch die Alemannen zum Ortsnamen Bülach führte. Dass aber die Alemannen auch in diesem Raume bald heimisch wurden, zeigt die grosse Begräbnisstätte nordöstlich des alten Städtchens im "Ettersbühl" oder "Füchsli".

Die Franken - Herrschaft
Die Alemannen sind noch in dieser ersten Phase der Ansiedlung unter die Herrschaft eines andern germanischen Stammes geraten - unter jene der Franken. Im Jahre 496 nach Christus wurden sie von König Chlodwig besiegt und unter dessen Nachkommen mitsamt Rätien 536 dem fränkischen Reiche einverleibt. Spuren dieser ersten fränkischen Herrschaft erkennen wir in den Ortsnamen auf -heim, insoweit es sich um alte und nicht um spätere Bildungen handelt. Die "Heim-Orte" waren Stützpunkte der merowingischen Könige in dem von den Alemannen bereits besiedelten Raume. Ein anderes Mittel der fränkischen Krone, das Volk besser in den Griff zu bekommen, war die Unterstellung unter einen Herzog, um damit zugleich den endlosen Fehden der alemannischen Gau- und Kleinkönige ein Ende zu bereiten.

Aufbau der Adelsherrschaften
Als nach dem Tode König Dagoberts I (639), der sich als Kirchen- und Klostergründer ein bleibendes Andenken geschaffen hat, das merowingische Haus mehr und mehr zerfiel, erlangten die Alemannen unter ihren Herzögen wieder vermehrte Selbständigkeit. Das war die Zeit, da grössere und kleinere Herren sich ihre Adelsherrschaften aufbauten; es waren dies noch keine festgefügten staatliche Gebilde im heutigen Sinne, denn Heiraten, Erbteilungen und wohl auch Gewalttätigkeiten sorgten für eine ständige Umgruppierung. Von Bedeutung aber war der alemannische Herzogsbesitz in und um Zürich. Solche Adelsherrschaften entstanden auch neu, als im Laufe des 7. Jahrhunderts die alemannische Besiedelung mehr und mehr gegen die Voralpen fortschritt. Es waren dies Siedlungsmittelpunkte mit einem Herrenhof und Vorwerken. Zu den ersteren darf man Ortsnamen zählen, die mit althochdeutsch ouwa, "Au", wanc (Mehrzahl wanga), "Wiesenhalde" und aha "Ach, fliessendes Gewässer", gebildet wurden, zu den zweiten aber die vielen Bezeichnungen auf -ikon. Beide Klassen zeigen, dass die Alemannen nun auch sesshafter geworden waren und ihre Wohnsitze nicht mehr mit einem Insassen- oder Sippennamen bezeichneten.

Erste urkundliche Nennung
Damit stehen wir in Opfikon. Lange glaubte man, die erste urkundliche Nennung des Dorfes falle in das Jahr 774, als am 28. August der Grossgrundbesitzer Blitgaer seinen ganzen Besitz im Thurgau, nämlich in Seen, Veltheim, Illnau, Agasul, UBINCHOVA, Eschikon, Lindau, "Richgaershovasteti", Gündlikon, "Marcholtinchova", Butzwil (bei Effretikon) und "Wolfmareshovastat" zu seinem und seiner verstorbenen Söhne Richgaer und Berchtgaer Seelenheil dem Kloster St. Gallen vergabte. Nun ist zu beachten, dass Opfikon erheblich abseits von den übrigen Besitzungen Blitgaers liegt, denn dieser Herr war vor allem im Raume Illnau-Lindau-Winterthur begütert. Schwerer wiegen aber die Lautgesetze der deutschen Sprache: Aus altdeutsch UBINCHOVUN (dem massgebenden Wemfall der Mehrzahl) kann nich einfach Opfikon entstehen; vielmehr müsste man eine Namensform "Ubikon", allenfalls "Ufikon" erwarten, denn der Verschluss-Reibelaut  "pf"  kann nicht aus einem "b" hervorgehen. Jener aber findet sich mit der damals normalen Schreibung "ph" und "pph" schon in den Nennungen des 12. und 13. Jahrhunderts: Opphinchon (ca. 1184), Ophinchon (1255). Auch Obfinchoven (1153) ist Opfinchoven zu lesen. Aber auch der Übergang von U- zu O- bliebe unerklärt, wenn wr Ubinchova als Opfikon deuten. Nun kommt aber noch die sehr gewichtige Tatsache hinzu, dass der Ort Ubinchova der Urkunde von 774 schon vor etlichen Jahren gefunden werden konnte. Es handelt sich um eine abgegangene Siedlung (Wüstung) bei Grafstal (Gemeinde Lindau), die 1545 noch als Ubikoa bezeugt ist. Der Ort liegt also in jenem Gebiet, wo Blitgaer über einen Grossteil seiner Güter verfügte. Sowohl "Ubikon" wie unser Opfikon gehören aber ein und derselben Namenschicht an, deren Entstehung in die Zeit des alemannischen Herzogtums - genauer ins 7. Jahrhundert - fällt. Es sind jene kleineren Hofsiedlungen, die wir als "Vorwerke" oft rund um grössere Siedlungsmittelpunkte sehen, in denen der Herrenhof lag. Illnau mit seiner sehr alten Pfarrkirche, aber auch Lindau sind schöne Beispiele hiefür. In ihrer nächsten Nähe liegen oder lagen die Siedlungen Eschlikon, Ubikon, Ottikon, Billikon, ein abgegangenes Blidikon, Effretikon und Mesikon. Auch diese Ortsnamen enthalten im ersten Teil einen Personennamen, und zwar vermehrt um die "Sippenendung" -ingen, bzw. deren Einzahlform -ing, -inc, wozu sich dann als zweiter Teil das Wort "Hof" in der Mehrzahl gesellte. So müssen wir für Opfikon auf einen altdeutschen Kurznamen Opfo (Oppho) zurückgehen: Die Opfinga waren die Leute oder die Sippe dieses Namensträgers; ein solcher Opfinc hat sich nun entweder selbst oder auf Befehl eines grösseren Herrn im Raume Kloten angesiedelt, und man nannte seine Wohn- und Wirtschaftsbauten Opfinchova, "die Höfe des Opfing oder der Leute des Opfo". Da man den Ortsnamen in der Regel das Vorwort zi "zu" voransetzte, wurden sie meistens im Wemfall gebraucht: zi Opfichovun hiess "in oder bei den Höfen des Opfing", woraus im Laufe der Jahrhunderte über Opfichoven, Opfinchon, Opfikon und in der Mundart "Opfike" wurde.

Man wird nun die Frage stellen, ob auch Opfikon ein "Vorwerk" war, und wenn ja, zu welchem Siedlungspunkt. Schon wegen der alten kirchlichen Zugehörigkeit wird man da an Kloten denken, an das uralte, voralemannische Dorf, dessen späterer Kelnhof noch auf den frühmittelalterlichen Herrenhof hindeuten mag. Es ist wohl auch erlaubt, in dem Flurnamen Muetliken östlich von Kloten nahe der Grenze gegen Bassersdorf ein weiteres, aber abgegangenes Vorwerk zu sehen. Opfikon und Mutlikon liegen 2,4 und 1,8 Kilometer von der uralten Pfarrkirche Kloten entfernt, was sehr gut in unser Bild passt.

Irischen Glaubensboten, fränkische Krone, alemannisches Herzogshaus
Das 7. Jahrhundert war nicht nur eine Zeit, in welcher die alemannische Landnahme grosse Fortschritte machte, sondern auch die Epoche, da sich der wilde Stamm unter em Einfluss der irischen Glaubensboten, der fränkischen Krone und des alemannischen Herzogshauses allmählich zum Christentum bekehren liess. Da auch die Ortsnamen auf -hausen in diese Epoche fallen, wobei sie bis zu einem gewissen Grade jene auf -inchovun, die bald "aus der Mode kamen", abgelöst haben, wird Oberhausen ebenfalls noch vor dem Jahre 700 entstanden sein. Der Name findet mehrere Parallelen: Oberhausen als Dorfteil von Stäfa, als solcher von Marthalen und als Weiler zwischen Braunau und Tobel im Thurgau. Man fragt sich, ob die Benennung jeweils unter Bezugnahme auf eine tiefer gelegene Siedlung stattfand, ob diese dann "Hausen" oder anders hiess. Da althochdeutsch obaro einfach "oben gelegen" bedeutet, dürfte man sich jedoch mit der Erklärung begnügen, dass Oberhausen von der Glattniederung aus gesehen tatsächlich "oben" liegt, nämlich auf einer Anhöhe, welche die ersten Siedler vor den Überschwemmungen der Glatt schützte.

Pippin auf den fränkischen Thron
Da die letzten Merowingerkönige sich dem Nichtstun und den Ausschweifungen ergaben, wurde das fränkische Reich schon zu Beginn des 8. Jahrhunderts von Beamten, den Hausmeiern, regiert. Unter diesen ragte der Sarazenenbesieger Karl Martell besonders hervor. Schon er begann den Einfluss auf die Alemannen wieder zu verstärken. Er gründete im Einvernehmen mit zwei Söhnen des 709 verstorbenen Herzogs Gottfried die Abtei Reichenau, doch mit einem dritten, der 730 verstarb, hatte er bereits Schwierigkeiten. Der vierte aber, Teutbald, führte mit Karls Söhnen, Karlmann und Pippin, regelrecht Krieg, bis schliesslich das alemannische Heer in Bedrängnis geriet, seine Anführer zu Verhandlungen 746 nach Cannstatt (bei Stuttgart) gelockt, umzingelt und hingerichtet wurden. Acht Jahre nach dieser Bluttat bestieg Pippin, genannt  "der Kurze" (le Bref) als erster Karolinger den fränkischen Thron. Er konnte nun als Herrscher jene bereits begonnenen Massnahmen, die man als die "zweite Frankonisierung" Alemanniens bezeichnet, noch konsequenter durchsetzen. Sie bestanden in der Beschlagnahmung alemannischen Adelsgutes zuhanden der Krone, wie dies auch mit dem Herzogsbesitz geschehen war, in der Entsendung von fränkischen Grafen, unter denen Ruthard und der Thurgaugraf Warin besonders hervorragten, in Westfranken und der Gründung ganzer Ortschaften. Man muss heute die wenigen Ortsnamen auf -dorf, die man in der Nordostschweiz findet, in die karolingische Epoche nach Mitte des 8. Jahrhunderts verlegen, und es ist wohl bezeichnend, dass das nahe Bassersdorf - älter "Bassilstorf" - keinen alemannischen, sondern den griechisch-lateinischen und damit christlichen Personennamen Basilius enthält.

Karl der Grosse
Erst als Karl der Grosse im Jahre 771 die Alleinherrschaft des fränkischen Reiches antrat und dieses kraftvoll zu mehren begann, besserten sich die Beziehungen der Krone zum alemannischen Stamm, dessen Edle sich nun für eine positive Mitarbeit heranziehen liessen. Wenn die Überlieferung richtig ist, dass der nachmalige Kaiser auch wiederholt in Zürich geweilt hat, so ist es durchaus möglich, dass er auch einmal auf der alten Römerstrasse, vom Lindenhof oder Grossmünster nordwärts in den Hegau oder in die Baar ziehend, das nachmalige Gemeindegebiet von Opfikon beschritten hat.

Karl der Kahle, Lothar und Ludwig teilen sich das fränkische Reich
Schon unter Karls Sohn, Kaiser Ludwig dem Frommen, entstanden im Herrscherhause schwere Zerwürfnisse. Sie führten schliesslich dazu, dass die Enkel das fränkische Reich unter sich teilten. Im Vertrag von Verdun (843) erhielt Karl der Kahle den Westen mit Frankreich, Lothar das Zwischenreich von den Niederlanden über Lothringen und Burgund bis nach Italien und Ludwig den Osten mit den deutsch redenden Untertanen, weshalb er als König "Ludwig der Deutsche" genannt wird. Ihn kennt man als Stifter der Fraumünsterabtei wie auch als Schutzherrn des Klosters Rheinau.


Quelle: Opfikon Glattbrugg Oberhausen - Einst und jetzt 1969


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